Integration

Gemäss PLUESS (2015) verweisen die drei Forschungsströmungen bezüglich Sensitivitätsunterschieden bei Erwachsenen, Kindern und Tieren auf denselben, fundamentalen Wesenszug, welcher auf der Sensitivität des Nervensystems beruht. Dies führte PLUESS (2015) dazu, die drei Forschungsströmungen zu einem Meta-Modell namens "Environmental Sensitivity" zu integrieren. Dass eine solche Integration stattfinden wird, wurde bereits von verschiedensten ForscherInnen der jeweiligen Forschungsströmung antizipiert.

 

ARON UND ARON (1997) betonten bereits in ihrer Erstveröffentlichung zu "Sensory Processing Sensitivity" bei Erwachsenen, dass sowohl bei Menschen als auch mindestens einigen anderen Spezies (wie z.B. Affen, Ziegen oder Fischen) zwei Überlebensstrategien existieren, welche im Kontext neuartiger Reizen entweder direkte Erkundung (als weniger sensitive Strategie) oder ruhige Wachsamkeit (als sensitivere Strategie) sind. 15 Jahre später stellten diese Parallelen zwischen Menschen und der Tierwelt im Literaturüberblick zu "Sensory Processing Sensitivity" von ARON, ARON UND JAGIELLOWICZ (2012) sogar ein Kernaspekt dar. Ab 2008 verwiesen schliesslich auch die Biologen auf die offensichtlichen Parallelen zwischen ihren Forschungsergebnissen bei Tieren und "Sensory Processing Sensitivity" bei Erwachsenen (vgl. z.B. WOLF, VAN DOORN & WEISSING, 2008; STAMPS & GROOTHUIS, 2010; STAMPS, 2016). Dasselbe Bild ergibt sich bei der Forschungsströmung zu Sensitivitätsunterschieden bei Kindern, indem auf die Parallelen zwischen den Forschungsergebnissen bei Kindern und "Sensory Processing Sensitivity" bei Erwachsenen hingewiesen wurde (vgl. z.B. BOYCE & ELLIS, 2005; BELSKY & PLUESS, 2009). Dies führte ELLIS ET AL. (2011) sogar zur Aussage, dass eine Integration zwischen "Sensory Processing Sensitivity", "Differential Susceptibility" und "Biological Sensitivity to Context" wahrscheinlich ist. Eine solche Integration wurde fünf Jahre später schliesslich Realität, indem SLAGT ET AL. (2016) sowie MOORE UND DEPUE (2016) "Sensory Processing Sensitivity", "Differential Susceptibility" und "Biological Sensitivity to Context" als  drei Forschungsbegriffe verstehen, welche eigentlich denselben Wesenszug untersuchen. Im Kontext des zunehmenden Zusammenschlusses der beiden Forschungsströmungen bezüglich Sensitivitätsunterschieden bei Erwachsenen und Kindern hält der Informations- und Forschungsverbundes Hochsensibilität (IFHS) zurecht folgendes fest: "Dass Menschen unterschiedlich und manche besonders stark auf Reize reagieren, darf als gesichert gelten." Abschliessend ist zu erwähnen, dass BRAEM ET AL. (2017) die Existenz von "Sensory Processing Sensitivity" bei Hunden nachweisen konnten.